«Belles Lettres» - Reiches erstes Arbeitsjahr

Ein Jahr nach der Gründung konnte die Gruppe «Belles Lettres» einen ersten «Jahresring» abschliessen.

Im Dezember 2018 wurde in Antwerpen (Belgien) mit Elze Rens, Christine Gruwez, Vera van Ighem und Wilbert Lambrechts eine Gruppe der Sektion für Schöne Wissenschaften gegründet. Fortgeschrittene Forschungsansätze und langjährige literarische Praxis fanden in der Sektion ihre inspirierende Heimat, um sich im gemeinsamen Bewusstsein weiter zu entwickeln. Intensive Gespräche esoterischen Inhalts über Forschungsanliegen fanden im Laufe des Jahres regelmässig statt. Dabei kamen unterschiedliche Themen zur Sprache, wie Geschichte und Inhalt des Manichäismus, Motive biografischer Forschung, insbesondere zum Leben Emile Gevers (1918-1964), Dichter und Gründer der belgischen anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft), sowie methodologische Fragen geistiger Forschung im Bereich der Schönen Wissenschaften. Zur Gründung veranstaltete die Gruppe, die den Namen «Belles Lettres»  bekam, eine öffentliche Soirée in Anwesenheit der Sektionsleiterin Christiane Haid. Nach dem Gründungsgespräch wurde eine erste Veröffentlichung «Sterne hören» vorgestellt. Christine Haid hielt einen kurzen Vortrag über Inhalt und Bedeutung der Schönen Wissenschaften. Lyrik, Betrachtungen zum Wesen der Sprache und des Wortes und Musik ergänzten die Abendveranstaltung. Mehr als fünfzig Freunde fanden sich als Publikum zusammen. Vor allem die Arbeit der 86jährigen Dichterin und Klavierspielerin Elze Rens wurde mit grosser Liebe und in Anerkennung aufgenommen und gefeiert. 

Ein Jahr nach der Gründung war Christiane Haid wieder nach Antwerpen gekommen, um mit der Gruppe einen ersten «Jahresring» von «Belles Lettres» abzuschliessen. Gleich zwei Früchte der Arbeit und Zusammenarbeit wurden einem wieder zahlreich anwesenden Publikum vorgelegt. Erstens eine gemeinsame «Jahresring»-Veröffentlichung, in der verschiedene Beiträge zusammenkommen. Vera van Ighem übersetzte den einführenden Vortrag von Dezember 2018 von Christiane Haid, Christine Gruwez gab eine Betrachtung zum Wesen von Sprache und Lyrik, die sie verband mit einer tiefen Erfahrung an der Adriatik (Duino). Wilbert Lambrechts schrieb einen ausführlichen Bericht — Essay und Erzählung in einem — über seine Wanderung nach Montségur in der Nachfolge einer legendären und folgenreichen Montségur-Reise von 1938, die die Freunde Emile Gevers, Theo Erik und Ursula Ende als junge Menschen unternahmen. Zudem veröffentlichte Wilbert Lambrechts einen umfassenden Gedichtband "Het Hart is overal" ("Das Herz ist überall"), in dem er erstmal seit "De Vogels van Orpheus" ("Die Vögel von Orpheus", 2001) wieder eine Synthese seiner dichterischen Themen und Entwicklung präsentiert.

Der Matinee verlief im Zeichen der orphischen Dichtung. Christina Haid sprach vorbereitend auf die Dornacher Rilke-Tagung im Februar 2020 über Rainer Maria Rilkes Sonette an Orpheus, Christine Gruwez sprach eindrucksvoll über ihre Duineser Erfahrung: wie die Offenbarung von Sprache aus der Bewegung des Wassers der Adriatik hervorging. Das berühmte Gedicht «L'Infinito» von Giacomo Leopardi wurde dazu von der italienischen Eurythmistin Francesca Gatti vorgetragen. Es gab ein Gespräch zwischen Vera van Ighem und Wilbert Lambrechts zu "Het hart is overal", dem Gedichtband, aus dem er verschiedene Gedichte las. Zwei junge Musiker, Tristan Driessens (Oud) und Esther Lambrechts (Geige), be-geist-erten mit Improvisationen auf ihren Saiten. Auch sie brachten den fernen Orpheus in nahe Erinnerung.

Die Veröffentlichungen erschienen bei Via Libra  (via-libra.be)
"Sterren horen", von Elze Rens, Christine Gruwez, Wilbert Lambrechts, Antwerpen 2018
"Belles Lettres. Jaarring 2019", Beiträge von Christiane Haid, Vera van Ighem, Christine Gruwez, Wilbert Lambrechts, Antwerpen 2019
"Het hart is overal. Notities 2017-2019", Wilbert Lambrechts, Antwerpen 2019. 

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