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  1. Sektion für Schöne Wissenschaften
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Arbeitsgruppe Finnland

Sechzehn Mitglieder aus verschiedenen Teilen Finnlands unterschrieben am 9. April. 2017 in Tampere das Gründungsdokument der Arbeitsgruppe. Seitdem arbeitet diese Gruppe an unterschiedlichen Themen, wobei ein besonderer Schwerpunkt die Forschung zur finnischen Sprache und dem großen Epos Kalevala bildet.

Bericht für das Jahr 2025

Die Arbeit an Kalevala 2025 in Finnland

Die finnische Abteilung der Sektion für Schöne Wissenschaften hat das finnische Epos Kalevala als einer ihrer vier Schwerpunkte gesetzt, als sie mit ihrer Arbeit am 9. 4. 2017 begonnen hat. Die Gruppe fragte, was Rudolf Steiner damit gemeint habe, als er sagte: «Des europäischen Ostens Gewissen wird dasjenige sein, was das finnische Volk bewahrt hat. – Es muß eine Zeit kommen, wenn ein Verständnis die Herzen ergreifen soll für die Aufgaben der Evolution, wo gerade aus der Mitte des finnischen Volkes heraus ein Aufblühen der Ideen von Kalewala stattfinden wird, wo durchgeistigt und durchsetzt werden wird mit den modernen geisteswissenschaftlichen Ideen dieses wunderbare Epos von Kalewala, wo es in seiner Tiefe dem ganzen Europäertum wiederum zum Bewußtsein gebracht werden wird.»[1]

2025 hat sich die Arbeit auf dieses Thema konzentriert. Als Ausgangspunkt für die Arbeit diente besonders der in der Zeitschrift Das Goetheanum 1986 veröffentlichte Artikel von Kaisu Virkkunen «Kalevala und seine Erneuerung – Der historische Weg zur Bewusstseinsspaltung»[2], welcher erst 2019 auf Finnisch erschienen ist, wie auch ihr noch nicht auf Finnisch übersetzter und veröffentlichter Artikel Kalevalas rhythmisches Wesen und sein Übertragen. Kaisu Virkkunen (1919–1996) ist eine finnische Schriftstellerin, Steinerpädagogin und Forscherin, deren Arbeit uns sehr inspiriert.

Die Gruppe erarbeitete sich auf Grundlage eines Vortrages von Raija Nummijärvi die historische Entwicklung der historischen Situation, die zu einer starken Zweiteilung des finnischen Volkes Mitte des 19. Jahrhunderts geführt hat, und arbeitete heraus, welche Folgen dies für die Veröffentlichungen von Kalevala (Das alte Kalevala 1835, Das Neue Kalevala 1849) hatte. Die damals herrschende obere Klasse, die Trägerin der westlichen Kultur – Lehrer, Pfarrer und Beamten – waren schwedisch-sprechende Protestanten, aber das finnisch-sprechende Volk lebte in einer Kultur, in der die Welt als lebendig und wesenhaft erlebt wurde. Virkkunen schreibt, wie das finnische Volk in einer erstaunlichen Weise sein Bewusstsein in zwei Schichten aufteilen konnte; einerseits als andächtige Protestanten und andererseits als handfeste Heiden zu leben. «In diesem Zwischenraum»sollten die Finnen eine Zeitlang verweilen – um ihre Aufgabe zu erfüllen, was Rudolf Steiner als das Wiederfinden von Kalevala bezeichnet hat. Erst danach, als Finnland an Russland angeschlossen wurde und Zar Alexander I. (1777–1825) Finnland eine autonome Stellung und Selbstverwaltungsrechte gewährte, fing die eigene Geschichteschreibung Finnlands an.

Rudolf Steiner hat Finnland 1912 besucht. Damals befand Finland sich noch unter der Herrschaft von Russland. Steiner hielt einen Vortrag mit dem Titel Das Wesen der Nationalepen mit speziellem Hinweis auf Kalevala. Er stellte einen Zusammenhang mit den Seelengliedern, wie er sie in der Theosophie entwickelt hatte, zu das Kalevala her.»[3]

Kaisu Virkkunen hat durch Rudolf Steiner Wesentliches herausgefunden, wie «Kalevala immer an den Grenzgebieten weilt», an dem «schöpferischen Punkt» der Bildentstehung, «der Imagination, die schon von der Kraft der Inspiration durchglüht ist, und an den Grenzgebieten von Inspiration und Intuition, wo das Wort aus seiner wesenhaften Kraftquelle her strömt», lebt. An der Grenze zu sein und da zu bleiben, war die Kunst «der Alten». Das alte Volk sagte: «Wenn die Wissenden und Sänger die Kräfte aus Erde und Wasser und Mond und Sonne sammeln, ist es das, was da zusammenkommt.» Virkkunen schrieb: «Selbstverständlich erkannte er [der Sänger] in diesem Seelenzustand den Väinämöinen, den mächtigen, der in seine Seele hinein und durch sie hindurch sang. – Dem Gesang aus Väinämöinens Spiel konnten die Alten nicht zuhören, ohne dass dieser Seelenzustand sich ihnen näherte. Die Seele wandelte sich von Väinämöinen zu Ilmarinen, zu dem frisch lebendigen Tätigkeitsdrang und zu einem großen, festen Vertrauen, wo der Mensch sein Leben von derselben Hand des Allformers gegeben fühlte, der auch den ewigen Himmeln ihre Gewölbe geschmiedet hatte. Dann konnte er wieder innerlich trotzig werden, sich dem Lemminkäinen, den allerdings Unzuverlässigen, hingeben.»[4]

Die Wissenden und die Sänger sangen in einem halbbewussten, traumähnlichen Bewusstsein über die alte Hellsichtigkeit, und sie konnten dem Gefundenen solche Begriffe geben, die aus einem modernen Bewusstsein stammen. Beim Singen, besonders beim Singen von Zauberformeln, begegneten sie dem Ursprung (auf Finnisch synty, luote), das heißt die Welt der Wesenheiten. Virkkunen hält als eines der wesentlichsten Dinge in Kalevala und im Finnentum das, was Kalevala als «Geburt oder Ursprung» nennt. Sie selbst schreibt: «Was Kalevala als Ursprung bezeichnet, nennt Platon Idee, Aristoteles entelecheia, das mittelalterliche Denken Universal und die alte Literatur oft den Namen. Gewisse Vorstellungen der alten Zeiten nannten es den Stern und in Pythagoras Musik der Sphären war es der Ton. Rudolf Steiner nennt die Geburt eine geistige Wesenheit oder ein Wesen. «Synty» heißt Geburt; es ist aber nicht das Ereignis des Geborenwerdens, sondern eben ein Wesen, dem man begegnet. «Luote» kommt aus dem Verb «luottaa», vertrauen; es ist etwas, worauf man sich verlassen kann.»[5]

Die Gedichte wurden ursprünglich gesungen. In Kalevala erscheint auch die Form des rhythmisierten Gedächtnisses der altindischen und chaldeischen Zeiten. Der Mensch konnte die Verse erinnern, weil er sich in dessen Rhythmus stellte. Aber in der Sprache von Kalevala lebte ein noch früherer Rhythmus, das Kaisu Virkkunen zusammen mit der Eurythmistin Riikka Ojanperä erforscht und bearbeitet hat. Virkkunen nennt diesen Rhythmus den großen Atem. Da ist zusätzlich wesentlich zu der Länge und Weite der Silben und Laute der «weit atmende Aufstieg», der zwischen der siebten und achten Silbe kommt. Die Kraft des Konsonanten wird groß gemacht und führt weiter. Die Voraussetzung dafür ist der Doppelkonsonant in der finnischen Sprache. Ein Finne «hüpft in das Geistige» im Doppelkonsonanten. Virkkunen schreibt dazu:

«Wie kleine Wellen auf den großen Meereswellen spielen, so wird dieser für Kalevala so charakteristische Rhythmus der Lautdauer, der als leises Leben jeden Vers durchpulsiert, von Kalevalas letztem, weitem Atem getragen. Mit Zwischenräumen von etwa fünf bis zehn Versen, manchmal weniger sogar, erhebt sich der Rhythmus immer wieder zu einem mächtigen Gipfel der konzentriert langen Laute mit ganz starken, weit ausholenden Betonungen. So ein Gipfel kann einen Vers umfassen, meistens jedoch zwei, und sogar mehrere Verse können zu einem weit atmenden Gipfelgelände sich verstärken. Ein Gipfel braucht nicht mit einem bedeutenden Inhalt verbunden zu sein; wenn das Wellen des Rhythmus zu so einem Höhengelände steigt, trägt es schon auch inhaltlich Mächtiges, wie in dem vorher gedruckten Kalevala-Abschnitt von Lemminkäinens Tod.»[6]

Jeder Kalevala-Vers wird in seinem Pulsieren des Ballens und Spreizens von einem oft sich in Alliteration wiederholenden Konsonanten getragen. In den Gipfeln bereitet dieser Konsonant sein Kommen vor in der Pause, die dem Gipfelwort vorangeht, um in der höchsten Konzentration hörbar zu werden und die Kraft wieder in den Schwung der nächsten Bewegung zu entladen. So ist der Gipfel da als ein mächtiger Niederschlag des Urkonsonantischen der Tierkreiskräfte.

Virkkunen beschreibt die Rhythmen genau von dem Gesichtspunkt, wie ein Finne instinktiv in seinem Inneren das rhythmische Gleichgewicht erreicht hat, und wie das Stellen und Behalten des Gleichgewichts Wachheit und individuelle Aktivität verlangt in dem Gebiet, wo der Finne meistens schläft.

Die Gruppe der Schönen Wissenschaften hat sich 2025 auch mit dem Buch von zwei finnischen Eurythmistinnen, Riikka Ojanperä und Leena Tiusanen, beschäftigt: Über die Elemente des Ursprachgesanges in der Sprache von Kalevala, auf Grund von Rudolf Steiners Forschungen. Darin sind auch noch einige nicht veröffentliche Vorträge von Virkkunen, die sie in den Jahren 1995–1996 in der Schulung von Oberstufenlehrern gehalten hat, enthalten. In diesen Vorträgen wird gezeigt, wie das finnische Ich-Wesen in den drei Seelenebenen von Empfindungsseele, Verstandes- und Gemütsseele und Bewusstseinsseele funktioniert.

Dasjenige, was die «alten Sänger» mit alter Hellsichtigkeit gefunden haben, sollen die Finnen jetzt wiederfinden mit der Hilfe der Geisteswissenschaft. Nach Virkkunen brauchen wir eine Geisteswissenschaft, eine Anthroposophie, die sozusagen Finnisch sprechen lernt, die Kalevala-Gebiete in den Seelen der Finnen erreichen und ihren Inhalten Namen geben kann.

Virkkunen schreibt: «Das bewusste Wiederfinden von Kalevala sollte man jedoch nicht nur als etwas spezifisch Finnisches ansehen. Es ist mehr die finnische Nuance des allgemein-menschheitlichen Zeitgeschehens: die Ätherisierung des Bewusstseins. Bei den Finnen, deren Kalevala nie aus jenem ätherischen hinuntergekommen ist, in das die Menschheit jetzt aufsteigt, bedeutet dieses Geschehen eine Erneuerung des Kalevalas: bei anderen Völkern könnte es anders charakterisiert werden, wie Rudolf Steiner es auch getan hat. Die Zeitaufgabe als solche ist überall dieselbe: ein Ringen um diese Ätherisierung. Dadurch kommt der Mensch, ob ein Finne oder ein Mitglied eines anderen Volkes, zu dem was die Kalevala-Kultur zu ihrer Zeit war: zu einer bewussten Beziehung zu dem wesenhaften der Welt, zu Kalevalas synty. Da mögen sie uns ihre Worte für die heutige Zeit sprechen.»

Raija Nummijärvi
Übersetzt von Sirpa Turunen-Viljanmaa


[1] Rudolf Steiner: Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt, GA 158, 15.11.1914, Dornach 1993.

[2] Kaisu Virkkunen: «Kalevala und seine Erneuerung – Der historische Weg zur Bewusstseinsspaltung», in: Das Goetheanum, 21.9.1986, 65. Jahrgang Nr. 39. 207–300.

[3] Rudolf Steiner: Das Wesen der Nationalepen mit speziellem Hinweis auf Kalevala, Helsinfor 23.4.1912.

[4]Das Goetheanum 1986, 298–300.

[5] Kaisu Virkkunens Artikel über Väinämöinen und Joukahainen – Anthroposophisches Magazin/ Antroposofinen aikakauslehti 1/1987 sivut -–16.

[6]Kalevalas rhythmisches Wesen und sein Übertragen.

 

Bericht für das Jahr 2024

Die finnische Gruppe, die ihre Arbeit am 9. April 2017 aufnahm, traf sich zu Beginn des Herbstes
2024. Damit begann das zweite Jahrsiebt ihrer Tätigkeit. Der nachfolgende Bericht betrifft nur dieses
Herbsttreffen, in dem wir Fragen zur finnischen Sprache bewegten. Wir gingen dabei von den beiden
Vorträgen Rudolf Steiners vom 17. und 18. Juli 1915 (GA 162) aus. Hans Hasler führte zum Thema
«Was ist der Sprachgeist und wie ist seine Beziehung zum Volksgeist» ein. Ritva Laine sprach zur
finnischen Sprache und ihrer Geschichte.

Link zum vollständigen Bericht

Raija Nummijärvi
raija.nummijarvi@netikka.fi

 

 

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